Zweite wasserführende Ebene
Die zweite wasserführende Ebene unter der Fensterbank
Der wichtigste Handgriff unter Ihrer Außenfensterbank — und der, der am häufigsten vergessen wird.
Klicken Sie sich durch die sieben Schritte des Aufbaus. Die Ansicht wechselt zwischendurch von oben auf die Seite und wieder zurück, weil man Gefälle und Kleberaupen nur aus je einer Richtung sinnvoll sieht. Zu jedem Schritt sehen Sie die passenden Produkte.
Eine Fensterbank leitet Regen von der Fassade weg. Dicht ist sie deshalb aber nicht automatisch: an den Endkappen, am Übergang zum Fenster und in den unteren Ecken bleiben Fugen. Die zweite wasserführende Ebene ist eine zusätzliche Abdichtung unter der Fensterbank. Sie fängt auf, was durchkommt, und leitet es kontrolliert wieder nach vorn heraus.
Warum das wichtig ist
Ohne diese Ebene ist die Fensterbank das Einzige, was zwischen Schlagregen und der Wand steht. Versagt sie an einer Stelle, läuft Wasser in Dämmung und Mauerwerk — und zwar unbemerkt.
- Nasse Dämmung verliert ihre Wirkung, die Heizkosten steigen ohne erkennbare Ursache.
- Putz platzt unter der Bank ab, im Winter kommen Frostschäden dazu.
- Innen zeigen sich Stockflecken an der Laibung.
- Im Holzbau können holzzerstörende Pilze das Tragwerk angreifen.
Solche Schäden entstehen langsam und bleiben lange unsichtbar. Wenn man sie sieht, muss meist die halbe Brüstung geöffnet werden.
Wann Sie sie brauchen
Der Fensterbankeinbau ist nicht normativ geregelt. Maßgeblich sind die anerkannten Regeln der Technik, also der RAL-Montageleitfaden und das VDPM-Merkblatt. Danach gehört die zweite Ebene dazu, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Die Fassade hat eine Außendämmung.
- Die Fensterbank wird nachträglich in eine fertige Fassade eingesetzt.
- Die Endkappen sind aufgesteckt und nicht geprüft schlagregendicht.
- Es ist eine Naturstein- oder Kunststeinbank — das Material saugt Wasser.
- Das Gebäude ist ein Holzbau oder hat eine Holzfaserdämmung. Dort ist sie über die Zulassung des Dämmsystems meist verbindlich.
Der häufigste Fehler auf der Baustelle: die Fuge unter der Fensterbank wird zum Schluss „sauber" mit Silikon verschlossen. Damit ist die Wanne dicht — und das Wasser kommt nicht mehr heraus. Diese Fuge bleibt offen.
Häufige Fragen
Ist das Vorschrift?
Es gibt keine Norm, die den Fensterbankeinbau regelt. Verbindlich sind die anerkannten Regeln der Technik: RAL-Montageleitfaden und VDPM-Merkblatt. In den oben genannten Fällen fordern sie die zweite Ebene, im Holzbau ist sie über die Zulassung des Dämmsystems meist verbindlich.
Was kostet das zusätzlich?
Das Material für ein normales Fenster liegt im niedrigen zweistelligen Bereich. Eine spätere Sanierung der Brüstung kostet ein Vielfaches.
Meine Fensterbank ist schon eingebaut — und jetzt?
Nachrüsten geht nur, wenn die Bank noch einmal abgenommen wird. Prüfen Sie zuerst, ob die Fuge unter der Bank offen ist und ob sich darunter Feuchtigkeit zeigt.
Vlies oder Butyl — was nehme ich?
Butyl ist sofort dicht und verzeiht Feuchtigkeit beim Einbau, ist aber dampfdicht und nicht überputzbar. Vlies muss in Kleber oder Dichtstoff eingebettet werden, trocknet dafür aus und lässt sich überputzen. In der Praxis kombiniert man beides: Vlies auf der Fläche, Butyl in den Ecken.
Grundlage dieser Seite
- Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren. RAL-Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren gemeinsam mit ift Rosenheim, Ausgabe März 2024.
- Merkblatt „Ausbildung von Details mit Profilen und Fugendichtungsbändern bei Außenputz und WDVS". Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM).
- Richtlinie Fensterbank für deren Einbau in WDVS- und Putzfassaden. Österreichische Arbeitsgemeinschaft Fensterbank, 4. Ausgabe 2020.
- Empfehlungen für den Einbau und Ersatz von Metall-Fensterbänken in WDVS-Fassaden. Gütegemeinschaft Wärmedämmung von Fassaden, 2011.
- Montageanleitung Drainagesystem, KONTEX Bausysteme.
Diese Seite fasst den Stand der genannten Regelwerke allgemein verständlich zusammen. Sie ersetzt keine Planung im Einzelfall — maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Dämmsystemherstellers und die Angaben in den Verarbeitungsrichtlinien der verwendeten Produkte.